Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes


Schleuse Kriegenbrunn - WNA Aschaffenburg

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Inhalt: WNA-Ökologe im Interview

Diplom-Biologe Gerd Karreis Diplom-Biologe Gerd Karreis

Ein Biologe unter lauter Technikern: Für das Thema Ökologie hat sich das Wasserstraßen-Neubauamt Aschaffenburg (WNA) schon vor über 20 Jahren einen Experten an Bord geholt. Seit 1993 nimmt Diplom-Biologe Gerd Karreis Projekte hinsichtlich ihrer Umweltverträglichkeit unter die Lupe.

1. Herr Karreis, welche Bedeutung hat die Umweltverträglichkeit heute bei der Planung von Projekten der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung (WSV)?

In den letzten 20 Jahren kamen im Umweltrecht immer mehr Vorgaben dazu, die bei der Planung und Umsetzung von Verkehrsprojekten berücksichtigt werden müssen. Das bedeutet, dass ohne eine frühzeitige Einbeziehung umweltrelevanter Fragestellungen eine Projektplanung heute gar nicht mehr möglich ist.

2. Welche Veränderungen bei der planerischen Schwerpunktsetzung beobachten Sie in den letzten 10 Jahren?

Früher war die erste Frage bei Planungen: Wie können wir unser Vorhaben möglichst schnell zum gewünschten Ziel führen? Heute lautet sie: Wie erreichen wir das gewünschte Ziel mit möglichst geringer Beeinträchtigung der Umwelt? Diese Überlegung steht zunehmend im Mittelpunkt.

3. Was sind die Gründe dafür?

Zunächst einmal sicher die geänderten gesetzlichen Vorgaben. Verschiedene Richtlinien der Europäischen Union machten weitreichende Anpassungen der nationalen Gesetze im Bereich Umwelt und Naturschutz erforderlich. Dann auf jeden Fall auch ein insgesamt geändertes Umweltbewusstsein in der Gesellschaft. Heute wird der Umwelt ein eigener Wert zugestanden, der nicht verhandelbar ist. Dieser Eigenwert der Umwelt wurde vor 25 Jahren noch nicht gesehen.

4. Können Sie ein Beispiel dafür nennen, wie diese neue Sicht und Herangehensweise die Planungsarbeiten beeinflusst?

Bei der Planung von erforderlichen Zwischenlagerflächen für Baggergut, also für ausgehobene Erde, stehen nicht mehr nur die kürzesten und damit günstigsten Transportwege an erster Stelle. Stattdessen wägen wir unter anderem ab, welche Flächen aufgrund ihrer ökologischen Funktionen die geringsten Eingriffsempfindlichkeiten aufweisen. Das heißt wir ermitteln, welche Flächen als ökologisch nicht besonders wertvoll einzustufen sind, weil sie beispielsweise wenige Tier- und Pflanzenarten beheimaten, und schlagen sie in unserem Konzept für die Zwischenlagerung vor.

5. An wie vielen Projekten sind Sie aktuell für das WNA beteiligt? Und an wie vielen Projekten haben Sie bislang in der WSV mitgearbeitet?

Aktuell arbeite ich mit unterschiedlichen Anteilen an insgesamt sieben größeren Projekten mit. Seit meinem Einstieg beim WNA waren es sicherlich schon mehr als 15 unterschiedliche Projekte.

6. Welche Herausforderungen sehen Sie beim Neubau der Schleuse Kriegenbrunn?

Ein großer Unterschied zu meinen bisherigen Projekten liegt beim Neubau der Schleuse Kriegenbrunn in der langen Bauzeit von voraussichtlich über 10 Jahren. Während des gesamten Projektverlaufs bin ich Ansprechpartner für ökologische Fragen, beispielsweise wenn sich im Baubereich unerwartet eine geschützte Vogelart einfinden würde. Dann müsste das Baugeschehen möglicherweise darauf Rücksicht nehmen. Insofern ist der Schleusen-Neubau für mich ein außergewöhnliches und spannendes Projekt, das intensiver Betreuung bedarf.

7. Worauf kommt es in Ihren Augen besonders an, wenn es darum geht, durch ein Bauprojekt notwendige Eingriffe in die Natur zu minimieren?

Ganz wichtig ist, dass das ökologische System im vorgesehenen Planungsraum frühzeitig erfasst wird. Nur auf dieser Grundlage kann eine Planung von Anfang an die Belange der Natur berücksichtigen und nach Lösungen suchen, die das Projektziel mit möglichst geringen Beeinträchtigungen der Umwelt erreichen.

8. Können Eingriffe in die Natur durch Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen wirklich kompensiert werden, sie finden doch an ganz anderen Orten statt?

Zunächst einmal ist es Ziel der Planung, Kompensationsmaßnahmen möglichst im unmittelbaren räumlichen Zusammenhang zum Eingriff vorzusehen. Wenn dies nicht möglich ist, werden Maßnahmen geplant, die von ihren ökologischen Funktionen her den beanspruchten Eingriffsflächen entsprechen. Erst dann werden Kompensationsmaßnahmen in anderen Bereichen durchgeführt. Und selbst in diesem Fall wird immer berücksichtigt, dass die Maßnahmen für den zu betrachtenden Naturraum eine ökologische Aufwertung bedeuten. Eine Kompensation der Eingriffe ist dann aus meiner Sicht gegeben.

9. Welcher Teil Ihrer Arbeit macht Ihnen persönlich am meisten Freude?

Eine große Zufriedenheit erfahre ich immer dann, wenn ich nach ein paar Jahren die Bereiche besichtige, in welchen wir Kompensationsmaßnahmen durchgeführt haben. Zu sehen, dass hier wieder neue, ökologisch hochwertige Habitate der Natur zur Verfügung gestellt wurden, bestätigt mir, dass sich die Arbeit gelohnt hat.